Schnatterente

Wenn ich dann erst mal pensioniert bin, bin ich innerlich ausgeglichen und zufrieden, weil ich ja dann nicht mehr unter Stress bin und viel Zeit habe. Aber leider gibt es so viele Möglichkeiten sich innerlich zu stressen, dass ich mich von dieser idealen Vorstellung des Pensioniert-Seins verabschieden musste. Was mir aber immer hilft ausgeglichen zu sein, ist Zeit in der Natur zu verbringen. Das habe ich schon in meinem Berufsleben gemerkt und ich war auch sehr dankbar, dass ich teilweise auch während der Arbeitszeit Spaziergänge machen und in der Natur sein konnte. Auf freiwilliger Basis habe ich auch mit einem autistischen Jungen lange Spaziergänge der Reuss entlang gemacht. Dann konnte er völlig entspannen. Auf der Wohngruppe ist er oft ausgeflippt, weil es ihm einfach zu eng war.

Wir machen bei den Wanderungen für Senioren in Mellingen mit und geniessen es, Zeit mit anderen zusammen in der Natur zu verbringen. Ausserdem waren wir zum ersten Mal auch an einem Ausflug des Natur- und Vogelschutzvereins Mellingen am Klingnauer Stausee. Wir haben das neue BirdLife Naturzentrum besichtigt und hatten eine sehr interessante Führung durch eine Biologin mit einem unglaublichen Wissen. Am Schluss haben wir mit Ferngläsern auf einem Hochstand Enten beobachtet. Bis jetzt waren für mich Enten einfach Enten, aber nun weiss ich, dass es so viele verschiedene gibt und die Schnatterenten haben mir es besonders angetan. Ich bin jetzt also eine Freundin der Schnatterenten und habe sie mit Fernglas auf dem Wasser erkannt. Hurra!

Vor kurzem habe ich mir ein Hörbuch reingezogen, das es schon länger gibt, aber erst jetzt wirklich aktuell für mich wurde. Es heisst «Alte Liebe», geschrieben und gesprochen von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder. Ich glaube, sie behandeln fast alle Freuden und Leiden des Älterwerdens und Pensioniert-Seins auf so witzige und umwerfende Art. Ich bin ganz begeistert. Der Garten und die Natur spielen auch eine grosse Rolle und – wie könnte es bei Elke Heidenreich anders sein – auch Bücher und Kultur als Lebensinhalt. Vergnüglich werden Lesungen unter die Lupe genommen.

Und wenn ich schon beim Thema Lesungen bin, möchte ich euch gerne zur Lesung von Franz Hohler einladen , die am Dienstag 24.3.2020 in der Aula Schulhaus Bahnhofstrasse in Mellingen stattfindet. Er ist am 1. März 1943 geboren, wird also nächstens 77 Jahre alt, und hält noch Lesungen. Er hat immer wieder mal Pausen mit Auftritten gemacht, aber mit Schreiben hat er wahrscheinlich nie Pause gemacht. Das braucht er wohl zum Leben. Ich habe Franz Hohler schon öfters live erlebt und bin natürlich am 24.3. dabei. Er hat immer was zu sagen und ich mag ihn einfach. Ich bin halt auch im März geboren.

Ich war auch an einer Ausstellung «Von der Leichtigkeit des Augenblicks», die ich sehr empfehlen kann. Die Vernissage mit den Werken von Karin Rüegg und Doris Walser hat am 1. Februar im Alterszentrum am Buechberg in Fislisbach stattgefunden. Die inspirierende Laudatio hat die ehemalige Ständerätin Christine Egerszegi gehalten. Vor allem die Bilder von Karin Rüegg haben mir es angetan, weil sie so viel Lebendigkeit und Energie verkörpern. Die Ausstellung ist noch bis Ende April zu sehen. Ich finde es auch wichtig, dass Alterszentren sich auf diese Art und Weise öffnen und neue Kontakte ermöglichen.

Karin Rüegg hat auch Gedichte geschrieben. Der Gedichtband «wann wenn nicht JETZT» ist an der Ausstellung erhältlich. Ich möchte den heutigen Blog abschliessen mit einem Gedicht aus «JETZT»

Erwarte nicht
das Glück

finde es
wenn du heimkehrst
an die Tür
deines Herzens
gelehnt