Resonanz

Ich melde mich zurück zum Blog schreiben. Mein letzter Arbeitstag liegt hinter mir. Ich habe mich pensioniert von all den Dokumentationen, Rückblicken, Ausblicken, Leistungsnachweisen, Statistiken, Sparmassnahmen und Zeitkontrollen. Ich bin pensioniert und lebe im Jetzt.

Ich werde weiterhin mit Menschen im Kontakt stehen und Beziehungen leben, denn das ist meine Freude und meine Berufung. Gerade gestern habe ich wieder einen ganz spannenden Tag erlebt. Eine Freundin, die ich in meiner Ausbildung zur Sozialpädagogin kennengelernt hatte, hat mich zu einem Werkstattgespräch für Erzählcafés eingeladen. Diese Tagung wurde beim Migros-Genossenschafts-Bund zusammen mit der Hochschule Soziale Arbeit in Zürich durchgeführt. Ich war sehr erstaunt zu sehen, wie viele Menschen im Netzwerk Erzählcafé beteiligt sind und wo die überall stattfinden. Eine der nächsten Gelegenheiten wäre zum Beispiel in Basel im Museum der Kulturen am 3. April 2019 von 17:30 bis 20 :00 Uhr zum Thema «Meine und andere Geheimnisse»

Das Werkstattgespräch hat mit einer praktischen Erfahrung gestartet. Es gab 10 Themen zur Auswahl. Ich habe mich für das Thema «Schatz, kannst du den Abfall entsorgen?» entschieden. Es war eine junge Ethnologin aus St. Gallen, die dieses Gespräch leitete. Sie stieg dann mit der Frage ein, was wir denn als Kinder von der Abfallentsorgung mitbekommen haben. Darüber habe ich echt noch nie nachgedacht. Mir kam dann in den Sinn, dass wir im 4. Stock eines Hochhauses wohnten und wir unseren Abfall durch einen Schacht von oben in den Keller werfen konnten. Es gab Glasflaschen, die man zurückgeben konnte. Aber sonst weiss ich nicht mehr, ob es spezielle Sammelstellen gab. Der Verpackungswahn war noch nicht so weit fortgeschritten. Unsere Eltern hätten uns nie erlaubt, irgendwo in der Natur Abfall liegen zu lassen. Dieses Problem des Littering heute kann ich gar nicht verstehen. Also ihr seht, ich könnte endlos weiterdiskutieren.

Am Nachmittag kam dann Prof. Dr. Hartmut Rosa (Soziologe und Politikwissenschaftler), der zum Thema «Erzählen – Zuhören – Resonanz erfahren» referiert hat. Er hat schon mehrere Bücher geschrieben hat. Eines seiner Bücher heisst «Resonanz». Hartmut Rosa hat nicht nur referiert sondern stellte sich auch den Fragen aus dem Publikum. Es wurden sehr interessante Fragen gestellt, und viele Erlebnisse und Beispiele kamen auch aus dem Publikum. Ich finde «Resonanz» ein ganz spannendes Wort und werde mich auch noch weiter damit beschäftigen. Resonanz kann sich auch im Erleben der Natur einstellen. Es macht mich zum Beispiel sehr glücklich, die verschiedenen Arten des Himmels in den Bergen, am See, am Meer und irgendwo zu erleben. Da kommt in mir etwas zum Klingen, was auch für andere ansteckend ist. Auch während meiner Arbeit habe ich mit den Bewohnern zusammen den Himmel betrachtet. Sie haben mich oft gerufen, dass ich sofort kommen muss um zu schauen. Ganz von den Socken bin ich, wenn ich einen Regenbogen sehe.

Dieses Jahr haben Christian und ich die Buchmesse Leipzig verpasst. Vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr, wieder einmal hinzufahren. Aber wir haben auf unserem grauen Sofa die Beiträge im Fernsehen vom «Blauen Sofa» gesehen. Natürlich nicht alle, es sind so viele. Aber Hartmut Rosa mit seinem neuen Buch «Unverfügbarkeit» fanden wir interessant. Und zum Beispiel auch das Interview mit Ingrid Noll zu ihrem neuen Buch «Goldschatz». In dem Buch wollen fünf junge Leute es der Wegwerfgesellschaft zeigen und in Tante Emmas altes Bauernhaus ziehen. Dieses Buch werde ich bestimmt lesen.

Unbedingt empfehlen möchte ich auch noch das Buch von Michelle Obama «Becoming». Dieses Buch hat mich beglückt. It resonated with me. Ich bin tief in das Buch eingetaucht und es war wie damals als ich als Kind Bücher verschlungen habe und in andere Welten versunken bin. Michelle Obama schreibt auch wunderbar über ihre Kindheit. Ich könnte gleich ein Erzählcafé starten zum Thema «Lesen ist nicht gleich lesen».

Ich wünsche allen meinen Leserinnen und Lesern eine energiegeladene und farbige Frühlingszeit und falls ihr irgendwo und irgendwie in Resonanz getreten seid, lasst es mich doch wissen.

3 Gedanken zu „Resonanz

  1. Margrit Friedli

    Liebe Rosmarie, ganz ❤️ lich gratuliere ich dir zu deiner Pension. Ich zweifle keinen Moment, dass du deine neu gewonnene Zeit voll geniessen kannst. Viel Freude und Begeisterung für alles was du unternehmen willst.
    Liebe Grüsse
    Margrit

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